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Sonntag, 5. Juli 2009

Junge Leute, Beamer, alte Kirche - und nun?

Wie ich schon berichtet hatte gibt es bei uns gerade eine eifrig geführte Diskussion über die Installation eines Beamer in einer alten neugothischen Kirche.
Ältere Gemeindeglieder (mit Ausnahme ein paar Weniger, die geistlich sehr agil erscheinen) sind sehr deutlich gegen diese "Verschandelung" und an neuen Anbetungsliedern können sie im Vergleich zu Chorälen auch keinen wirklichen Gewinn erkennen. Ein seit Kurzem eingesetztes Moderations- und Gebetsteam wird von vielen Älteren eher so empfunden, dass dies der Pfarrer auch sehr gut alleine machen könnte. Die alte Form sorgt dafür, dass die Menschen eine geistliche Heimat finden.
Dann gibt es Gemeindeglieder, meist im Alter von Mitte 30 bis Anfang 50, die die Einführung von neuen Liedern, die Verwendung von Beamer und die Beteiligung eines Moderators und eines Gebetsteams als eine echte Modernisierung empfinden und sich dies nachdrücklich dauerhaft für ihr Wohlbefinden im Gottesdienst fordern. Geistliche Heimat erleben diese da wo, eine gute Gemeinschaft und eine moderne Form des Gottesdienstes zusammentreffen.
Erstaunlich ist für mich die Antwort von jungen Menschen. Manchen ist die Modernisierung nicht radikal genug. Andere sagen, dass es für sie keine Bedeutung hat, ob in dieser Kirche ein Beamer montiert ist, da sie eh spontan entscheiden, ob traditioneller oder modernern Gottesdienst am Sonntag dran ist. Wieder andere sagen, dass wichtig wäre, den Älteren ihre Form zu lassen. Wieder ander junge Leute sagen, dass sie keinen Bock auf diese Form des "Gemeindekrieges" haben und sie die Diskussion über Gottesdienstformen eh satt haben, da es ja Wichtigeres gibt für die Gemeinde Jesu (wie diese wohl von den einzelnen Gruppen definert wird). Andere sagen, dass der Gottesdienst für sie nicht geistliche Heimat sei, für andere ist er es wieder, wenn sie mal nach Dettingen heimkommen. Andere sind der Meinung, dass.... Meinung über Meinung.

Ich frage mich jetzt schon seit einiger Zeit: Warum ist das so? Und fühle mich zwischen den beiden letzten Welten hin und her springen.

Mir sind wieder ein paar Büchlein in die Hände gefällen, die es echt lohnt zu lesen:
• Dan Kimball: Emerging Church – Die postmoderne Kirche. Spiritualität und Gemeinde für neue Generationen (2005) - diesen Buch müsste meiner Meinung nach jeder Gemeindeverantwortliche gelesen haben (ich hab schon mal drüber geblogt)
• Fabian Vogt: Das 1x1 der Emerging Church (2006) - kurz und knackig für 4 €
• Tobias Faix: ZeitGeist. Kultur und Evangelium in der Postmoderne (2007)- Viele Facetten und verschiedene Blickwinkel (siehe auch hier im Blog)

Darin werden u.a. folgende Tabellen (siehe Fabian Vogt) zusammengestellt, die doch Einiges (wenn auch stark vereinfacht) erkläre, was im Wandel von Tradition zur Moderne und PostModerne bei uns gerade geschieht. Wenn du jetzt mal in Tabelle 1 schaust, dann kannst du für dich mal überlegen zu welcher Epochengruppe du dich zählst.

Wenn man jetzt weiter (siehe Tab. 2) fragt, wie die einzelnen Gruppen ihren Glauben leben, was ihnen wichtig ist und was "Heimat" bietet, dann kann man schon einige mögliche Gründe für unsere Diskussionen erkennen.

Abschliessend versucht dann Tabelle 3 daraus in groben Zügen verschiedene Gottesdienstmodelle und Formen den einzelnen Gruppen zuzuordnen.

Mein Fazit: Modern empfindende Menschen versuchen einen eher traditionell geprägten Gottesdienst mit neuen Formen, neuen modernen Liedern und Techniken (Stichwort Beamer) in die moderne Wahrnehmungswelt zu überführen. Dieses Bemühen wird von den noch jüngeren postmodern empfindenden Menschen nicht wahrgenommen und auch nicht wirklich wirklich unterstützt.

Übrigens: Ich habe mit dieser Zusammenfassung keine biblische Einordung getroffen (postmodernes Christsein kann es aus meiner Sicht nicht wirklich geben), sondern es sollte nur eine wertneutrale Nebeneinanderstellung verschiedener Wertesystem sein. Vielleicht ist es auch ein kleiner Beitrag zur Erklärung aktueller Diskussionen.

Dienstag, 2. Juni 2009

"Allah, Jesus, Manitu – Gebrauchsanweisung zum Glück?"

Ich sitze gerade vor dem Fernseher. Eigentlich wollte ich nur noch kurz Tagesthemen schauen, dann bin ich bei Maischberger hängen geblieben: "Allah, Jesus, Manitu – Gebrauchsanweisung zum Glück?" so lautet das Thema heute Abend.

22:50 Uhr:
Eine illustre Mischung an Gästen. Und mittendrin Sabine Ball.... Eine Allgäuerin stricht zum Auftakt ein indianisches Gebet und verbreitet mit einer Vogelfeder Salbeirauch. Dann wird Sabine Ball gefragt, ob sie dieses Gebet auch unterschreiben könnte.... Verrückte Situation, da sitzt diese alte wunderbare Frau in ihrem Sessel und ich frage mich, warum tut sie sich diesen Sch... an?

Beate und ich hatten vor zwei Jahren die Chance diese wunderbare Frau persönlich kennen zulernen und ich bin der Meinung, dass sie nur aus Liebe zu Jesus und aus Liebe zu den Menschen, die diesen noch nicht persönlich kennen, diesen Abend erträgt.

23:22 Uhr
Jetzt wird endlich mal Esther Vilar ins Gespräch genommen und sie legt los und spricht von der irren Vorstellung, dass ein Gott stirbt und aufersteht und jetzt beim Vater im Himmel sitzt.

23:25 Uhr
Kurzfilm über Sabine Ball.
1. Frage Maischberger: "Was war ihr Ziel mit 23 Jahren?".... Kurz kommt der Anfang ihrer Biographie rüber. Mehr dazu gibt es hier. Wichtige aussage: "Ich habe meinen Mann verlassen, weil er Alkoholiker wurde - als Christin hätte ich das nicht getan, sondern gebetet"

Ball erzählt von ihrem Leben. Es ist ganz still. Keine Kommentare. Kaum Rückfragen. Keine Witze. Es ist zum ersten Mal einen gehaltvolle Stille im Studio. 83 Jahre und viele Erlebnisse mit Jesus sprechen. Nein! Der Heilige Geist spricht durch Sabine.

23:30 Uhr:
Aus "The Land" wird "The Lords Land" (Frage von Maischberger). Und Sabine erzählt, wie sie gegen Religion war, bis sie den Gott der Bibel gefunden hat. Über ein tibetisches Kloster in Indien und einem jungen Mann, der ihr die Bibel erklärte. UND sie ein Verlangen nach Jesus bekommen hat. Es kommt zu einer Erfurcht vor Gott: "Herr Jesus komm in mein Herz und lass mich ein totaler, brennender Christ sein"

Maischberger: "Sie missionieren jetzt?"
Ball: "Ich verbreite die Gute Nachricht!"

Stoffwechsel wird vorgestellt. Und dann erzählt sie von Jugendlichen, die im Gefängnis zum ersten Mal die Liebe Gottes erfahren. Vilar zieht Falten im Gesicht. Was denkt sie wohl?

22:37 Uhr
Kristiane Backer ist an der Reihe. Ihre Aussage "Gott ist Gott - es gibt nur verschiedene Namen dazu!" Sie ist zum Islam konvertiert.
Maischberger: "Wie ist das mit der Unterdrückung der Frauen im Islam?". Und da hat Backer nach ihrer Aussage lange nachgeforscht.... "Und wenn man alles durchforscht, dann bleibt die Liebe zu Gott". Beim Islam seinen alle Menschen gleich..... (Studiogäste verziehen das Gesicht gerade im Blick auf Afghanistan und Pakistan (wo sie wohl den Glauben gefunden hat)...

23:44 Uhr
Vilar ist wieder dran und spricht direkt zu Sabine Ball: "Dazu muss man nicht Christ sein, dass man Geld weg gibt".... "Religionen gehen eh nur auf einander los".... Ball darauf: "Jesus sagt was anders - Er ist der Friedensfrürst"....

Jetzt kommt auch mal wieder Werner Schneyder und berichtet von der Gewalttätigkeit von Religionen.... und philosophiert über einen "Ursinn des Lebens" und über ein "übergeordnetes Leben".

Die Indianerfrau Christa Schaffrik-Yellowtail "man muss unterscheiden - Religion als Institution und der Sinnsuche des einzelnen Menschen".... und auch Backer berichtet von dem Verlangen eines jeden Menschen nach einem "spirituellen Sinn"....

23:55 Uhr
So langsame wird es mir zu langweilig. Genauso scheint es Sabine Ball zu gehen. Gelangweilt und vielleicht auch etwas wie im falschen Film sitzt sie in ihrem hellen Sessel. Ewig wird diskutiert über Religion und Gewalt und Macht....

22:56 Uhr
Umfrage in der Bevölkerung: "Glauben Sie an ein leben nach dem Tod?"
(Antworten: 3 mal nein - 2 ja)
Ach ja, den habe ich noch nicht vorgestellt: Jörg Andrees Elten - ehmaliger Bhagwan Jünger: "Es muss alles bei sich selbst anfangen" , Werner Schneyder ist wieder dran und wird auf den Tod seiner Frau (an Krebs) angesprochen und ich habe den Eindruck, er hat diesen Tod nicht verarbeitet, sein Kommentar: "Ich will mit einem möglichst guten Gewissen sterben" und dann weicht er wieder aus in Krieg der Religionen, Institutionen und Weltökonomie....

00:05 Uhr
Vilar: "Zeitverschwendung! - Alle Religionen sind Zeitverschwendung!" Und sie hat zumindest recht, was diese Sendung anbelangt.

00:07 Uhr
Geschafft! Erlösung ist nahe. Der Sch.... ist aus. Ich stelle fest, dass es Menschen wichtig ist, sich über Spiritualität zu unterhalten. Ich stelle fest, dass eine große Sehnsucht danach gibt, dass manche diese Gedanken nur zynisch wegdrücken und mit Hinweisen auf Krieg und Streit weg debattieren. ABER ich stelle auch fest, dass es für Christen schwer ist, in einer so lauten Diskussion wirklich auf DEN Weg verbal hinzuweisen, weil ER nicht die lauten Töne einer Talkshow mag, ABER ich bin überzeugt, dass das Leben von Sabine Ball hier Menschen am meisten angesprochen hat. Mehr als das laute Rufen der Welt.

Gute Nacht.

Donnerstag, 22. Januar 2009

Was nützt bürgerschaftliches Engagement?

... so fragte das Marktforschungsunternehmen Prognos im Auftrag der Lebensversicherungsgesellschaft AMB Generali. Ein “Engagementatlas 2009” wurde aus 44.000 Telefonbefragungen erstellt. Daraus ergibt sich eine repräsentative flächendeckende Darstellung des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland. Und irgendwie passt diese Studie ja auch zu meiner Frage bzgl. Ehrenamt.

Eine extrem spannende Studie mit oft recht erstaunlichen Erkenntnissen:

  • 34,3 % der Bevölkerung sind freiwillig engagiert
  • 30% werden sich (vielleicht) zukünftig engagieren
  • Baden-Württemberg liegt auf Rang 1 beim prozentualen Engagiertenanteil (40%)
  • Besonders engagiert zeigen sich die Alterklasse zwischen 30 und 55
  • Besonders untätig sind die „Mitzwanziger“ sowie Personen ab
  • 65 Jahren. Sie stellen mit 28,6% bzw. 26,1% den niedrigsten Anteil Engagierter.
  • Wichtigster Grund für Untätigkeit ist "Zeitmangel" (Was ich bei den Mitzwanzigern noch verstehe, aber warum engagieren sich die Redner so wenig)
  • Engagement hängt vom Einkommen ab: 50% der Personen mit einem Einkommen von über 4.000 € sind engagiert, dagegen nur 24% der Personen mit einer Einkommenshöhe unter1.000 €.
  • Auf dem Land engagieren sich deutlich mehr Leute freiwillig wie in der Stadt
Ganz besonders interessant fand ich dann auch die Aussage, dass je mehr Kirchensteuerzahler in einer Region sind, desto mehr Engagierte (nicht nur im Bereich Kirche) zu finden sind.

Für die christliche Jugendarbeit vielleicht noch interessant: In einem Ausblick von Experten wird prognostiziert, welche Engagmentsbereiche zukünftig an Bedeutung gewinnen. Dabei gehört der Bereich "Kirche & Religion" zu den klaren Verliereren und der Bereich "Kinder & Jugend" zu den zukünftigen Trendsettern.

Die ganze Studie kann man sich übrigens hier als pdf herunterladen.

(Quellenangabe: Die Darstellungen entstammen aus einer Präsentation zur Studie. Quelle siehe hier.)

Samstag, 9. Februar 2008

Darf es ein bischen Mehr sein?

Vor ein paar Wochen hatte ich ein intensives Gespräch mit einem Pensionär, der sich intensiv mit geistlichen Fragen auseinander setzt. Es war interessant dem alten Herrn zuzuhören. Besonders seine Ausführungen über den Glauben und das Leben von Dietrich Bonhoeffer hat mich neu inspiriert. Mein Ruheständler bezeichnet sich als "Liberaler" wenn es um die Theologie geht, hat aber dann auch wieder an manchen Stellen Grundsätze, die jedem Evangelikalen gut zu Gesicht gestanden hätte. Folgende Sätze haben mich nachdenklich gemacht, als er sagte: "... nicht alles in eurem CVJM finde ich gut, das mit dem amerikanischen WillowCreck und der oberflächlichen Lobpreismusik..."
Nun über der Willow-Kritik stehe ich mittlerweile, dafür habe ich bei Willow schon zu viel gelernt, aber das mit der "Oberflächlichkeit der heutigen Lieder" hat mich schon gefuxt. Ich wollte ihm noch immer mal eine Gegenüberstellung machen, die das Gegenteil beweist. (Hat jemand sowas??)
Jetzt stößt aber Michael Herbst im letzten WillowCreek Kongress in das gleiche Horn:
"...Nach seiner Überzeugung müssen Gemeinden mehr darauf achten, dass ihre Leitung auch lehrt. „Wir müssen von der ‚Milchfläschchen-Kita’ zur ‚Schwarzbrot-Schule’ kommen.“ Glaube und Predigt müssten wieder mehr an Tiefe gewinnen – „es geht nicht nur darum, dass wir unterhalten und von der Liebe Gottes getröstet werden.“ Das betrifft nach seiner Einschätzung auch neue Gemeinde-Lieder, die mitunter nicht die Tiefe eines Liederdichters Paul Gerhardt hätten."
Wow!
Dazu passt die Aufforderung eines erfahrenen Geistlichen, mit dem ich letztens ein sehr intensives Gespräch führen durfte. Er sagte: "Ihr im CVJM habt die Unabhängigkeit eines freien Werkes... nutzt diese Freiheit von volkskirchlichen Randbedingungen... macht die Bibel unter jungen Menschen wieder neu bekannt. Setzt euch ein für ein vom Geist Gottes geleitetes Bibelverständnis...."
Er hat die CVJMs, egal wo sie gerade ihre Arbeitsschwerpunkte haben, dazu eingeladen, ein Alternativangebot zu bieten zu den allgegenwärtigen historisch kritischen Bibelauslegungen in Schule, Gesellschaft und leider auch vielen Kanzeln. Es dürfte spannend sein, was passieren würde, wenn sich alle CVJMs in Deutschland dieser Herausfordung wieder neu stellen würden. Jugendarbeit im Kontext der Postmoderne, mit Tiefgang und Klarheit und in staunender Erwartung... (und vielleicht wird darin auch ein Paul Gerhard wieder einen angemessenen Platz mit seinen Liedern finden)

Samstag, 10. November 2007

Willow auf dem Weg zur Postmoderne?

Gerade ist der letzte Willow Creek Kongress in Wetzlar zu Ende gegangen.
Alle die dort waren berichten von einer sehr gesegneten und ermutigenden Veranstaltung.
Ich war leider nicht dort, aber ich freu mich mit den Geschwistern, dass sie ermutigt zurück kommmen und dass gerade auch die Frauen ganz neu für ihr Engagement in der Gemeinde ermutigt wurden.

Ich selber häng noch immer in meinen Überlegungen zum Stichwort "christliche Subkultur" herum. Ich hab ja neulich auch über meine Gedanken zum Worship berichtet.
Interessant finde ich, dass ich jetzt auf den Blog von Nancy Beach gestoßen. Auch sie macht sich ähnliche Gedanken zum Thema Worship als Subkultur. Sie schreibt über die Zukunft des Worship:

"... she (Sally Morgenthaler) believes the worship subculture is in a major decline, and that we need to have the guts to start over and re-invent together what our gatherings should be going forward. I share her concerns that much of the Christian worship music all sounds alike, and is easily distinguishable from where secular music has gone. I also believe that our gatherings have become far too predictable, dependent almost exclusively on music and teaching while abandoning many other art forms and communication tools. A worship subculture exists, and in most of our churches, we cannot point to huge gains in reaching those outside the church with our weekly worship gatherings. So what does all this mean?"
Dass ihr mich richtig versteht. Ich geniesse die Art von Lobpreismusik, wie sie Willow praktiziert, aber ich finde es wichtig, dass wir dabei den Blick nicht ausschliesslich auf uns selbst und unsere Befindlichkeit richten, sondern auch hier darauf achten, dass wir "in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt" unser Christsein leben.

Ich finde es klasse, dass Nancy (und Willow) den Mut hat, auch über ihre momentan gelebte Kultur nachzudenken. Manchmal meine ich zu erkennen, dass die Zeichen der Postmoderne bei Willow erkannt wurden und sie unter ihrem neuen Leiter Gene Appel sich auch auf machen zu einer Gemeinde, die auch nichtmodern empfindende Menschen erreichen will.

So schreibt Gene Appel in der WillowNews vom Juni 2007:

"Ohne Veränderung sterben unsere Gemeinden. Wir haben darum gar keine Wahl, wenn es um Veränderung geht! Wenn wir als Gemeinde Jesu bestehen wollen, dann müssen wir uns verändern - immer wieder! Dabei ist es nicht die Botschaft, die sich verändert! Das Evangelium ist ewig! Gottes gute Botschaft verändert sich nicht. Was sich ändert, sind die Formen, in denen wir das Evangelium zu den Menschen tragen. Die Strukturen, in denen Gemeindeleben geschieht. All das ist zeitlich und muss immer wieder angepaßt werden, um die Menschen zu jeder Zeit zu erreichen.
Wer Veränderungsprozesses anstößt, muss aber deutlich erklären, warum die Veränderung nötig ist! Häufig machen wir den Fehler, dass wir 10 Prozent unserer Kraft dafür aufwenden, das Problem zu benennen und 90 Prozent, um die Lösung zu erklären. Wenn aber die Menschen das Problem noch gar nicht verstanden haben, werden sie sich der Lösung verschließen und die Veränderung blockieren. Wer dauerhaft Veränderung gestalten will, muss dafür Sorge tragen, dass die Menschen die Notwendigkeit der Veränderung wirklich verstanden haben!"

Wenn ich hier Appel richtig verstehe, dann bereitet er Willow gerade auf eine Veränderung der Formen vor. Wie wird hier wohl der Worship ausschauen? Was wird im Zentrum stehen? Ist zukünftig noch der "Gottesdienst für Suchende" im Mittelpunkt?

Fragen über Fragen.
Die nicht weniger werden, wenn ich auf Revael stoße. Dies ist eine Zusammenfassung von Ergebnissen einer Studie zur Effektivität von Willow im Bereich Jüngerschaft, also geistlicher Reife und Wachstum. Darin erforschten sie die Effektivität der verschiedenen Programme bei Nichtchristen und Christen verschiedener Reifegrade. Die Ergebnisse könnt ihr unter Reveal und in einem Buch nachlesen. Bill Hybels kommenentierte die Ergebnisse in einem Video mit "“We’ve made a mistake!”
Hybels stellt darin fest, dass Willow scheinbar super darin ist, dass "entkirchlichte Menschen" errecht werden, aber recht uneffizent darin, dass Menschen zu "total hingegebenen Nachfolgern Jesu Christi" werden.

Für mich stellt sich die Situation bei Willow gerade so dar (ich würde gern mal mit Bill darüber diskutieren), dass der Fokus auf "Seeker Service" sehr stark ergänzt werden muss um einen Fokus auf geistliches Wachstum, dass nicht "vorgekaut" wird von der Gemeinde... "To become Self-feeder" im Bereich persönliches geistliches Wachstum. Christen müssen lernen selbst sich um die geistliche Nahrungszufuhr zu kümmern, anstatt nur zu konsumieren.

Was hat das mit Postmoderne zu tun?

Ich glaube, dass wir als deutsche Gemeinden, die so langsam die Ziele von Willow Creek kapiert haben, gut beraten sind, die Suche der Menschen nach Spiritualität nicht ausschliesslich mit "wohlgeformten" Gottesdiensten mit tollem Lobpreis zu begegnen. Wir müssen darüber hinaus unsere lutherische Tradition wieder entdecken und soli scriptura und solus Christus unserer Gemeinde stellen. Die Generationen der Postmoderne, wollen nicht nur perfekte Gottesdienste, sondern sie sind fasziniert vom Geheimnis der göttlichen Offenbarung in der Heiligen Schrift. Die Menschen des 21. Jahrhunderst brauchen neben wohlgeformten programm-orientierten Gottesdiensten wieder Räume in denen sie ganzheitlich Gott begegnen können.
Ich stimme mit Willow nicht (mehr) überein, dass es darum geht ein neues "Jüngerschaftprogramm" (Reveal) aufzulegen, sondern dass es wichtig ist, dass wir Menschen dazu befähigen, dass "Christus in Ihnen" (siehe besondes Ian Thomas) zur Entfaltung gelangt.




Sonntag, 4. November 2007

Kulturen - wo gehöre ich hin?

Lobpreisnacht - meine Erste (Subkultur 1)

...und ich bin gerne hin gegangen, obwohl ich sack müde war (von der Montage des Haller-Systems). Und ich muss sagen, dass es mir echt gut getan hat. Viele bekannte Lieder zusammen mit vielen anderen Gleichgesinnten... Gott wirklich erleben!

Gott wirklich erleben?
Im ersten Teil ging es mir wie Toby: Es ist mir heute einfach bei vielen Texten viel zu schwer gefallen aus richtig tiefer innerer Überzeugung zu singen. Bei vielen Lieder fühlte ich mich viel zu weit weg von Gott, dass ich das jetzt so sagen konnte/könnte/durfte...

Ein zweiter ruhiger Teil schloss sich an: Hier wurde durch die einzelnen Lieder und Gebete zum Ausdruck gebracht, was Gott für mich getan hat, welche tiefe Liebe er für mich als Sünder empfindet und was für ein Fels der Hoffnung und der Zuversicht er für meinen chaotischen Alltag ist. Das hat mich angesprochen... Da wurde ich von Gott neu berührt....

Was ich hier gebraucht hätte, wären Momente der Stille (auch soundtechnisch), Möglichkeiten des persönlichen Gebets, vielleicht ein paar Kerzen, das Angebot einer Segnung,... (auf jeden Fall etwas das mich neben dem Singen auf einem anderen Kanal angesprochen hätte)

Der Abend ging rockig und fetzig seinem Ende entgegen: "Dancing generation" haben dann Alle mit gesungen (oder besser gegröhlt?)... Mit einem ruhigen Segenslied wurden wir in die "Wirklichkeit" entlassen.....

McDonald (Subkultur 2)
Weil es wohl so "Tradition" ist, und weil wir Hunger hatten sind wir noch in den "Mäc" gefahren. Was waren wir erstaunt über die vieeeeeeeeeeellllllllllllll Leute dort (nachts um 23:45 Uhr). Die waren viel jünger als dort beim Worship, die hatten ganz andere Klamotten (das knappe T-Shirt eines Mädchen trug vorne z.B. die Aufschrift "take that - never forget") an und die hatten ganz andere Themen und Ziele. ABER ich glaube die hatten ein gleiches Anliegen: Sie wollten wie wir einen geilen Abend verbringen. Abdancen, Auftanken, Spass haben und was erleben....

Mich bewegt auf der ganzen Fahrt dieser Subkultur-Gedanke: Sind wir "Frommen" nicht oft in unserer heilen Welt, die wir sicher manchmal brauen um Aufzutanken, gefangen?
Ist es nicht genauso komisch ca. 60 min zu einem Worship zu fahren, als dass man um 23:45 Uhr sich noch beim "Mäc" was reinzieht, um wieder fit für die Piste zu sein?

Fragen über Fragen, aber dunkel erinnere ich mich an das Zeitgeist Buch, dass da das Thema "Subkultur" auch behandelt wird. Ich such es bei Gelegenheit raus! (wollte eh noch darüber bloggen)

P.S: Liebe Freunde vom weissen Sharan:
Ich fahr mit euch gerne mal wieder zur Lobpreisnacht. Es war echt toll, auch wenn ich gerade nachdenklich bin.