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Sonntag, 5. Juli 2009

Junge Leute, Beamer, alte Kirche - und nun?

Wie ich schon berichtet hatte gibt es bei uns gerade eine eifrig geführte Diskussion über die Installation eines Beamer in einer alten neugothischen Kirche.
Ältere Gemeindeglieder (mit Ausnahme ein paar Weniger, die geistlich sehr agil erscheinen) sind sehr deutlich gegen diese "Verschandelung" und an neuen Anbetungsliedern können sie im Vergleich zu Chorälen auch keinen wirklichen Gewinn erkennen. Ein seit Kurzem eingesetztes Moderations- und Gebetsteam wird von vielen Älteren eher so empfunden, dass dies der Pfarrer auch sehr gut alleine machen könnte. Die alte Form sorgt dafür, dass die Menschen eine geistliche Heimat finden.
Dann gibt es Gemeindeglieder, meist im Alter von Mitte 30 bis Anfang 50, die die Einführung von neuen Liedern, die Verwendung von Beamer und die Beteiligung eines Moderators und eines Gebetsteams als eine echte Modernisierung empfinden und sich dies nachdrücklich dauerhaft für ihr Wohlbefinden im Gottesdienst fordern. Geistliche Heimat erleben diese da wo, eine gute Gemeinschaft und eine moderne Form des Gottesdienstes zusammentreffen.
Erstaunlich ist für mich die Antwort von jungen Menschen. Manchen ist die Modernisierung nicht radikal genug. Andere sagen, dass es für sie keine Bedeutung hat, ob in dieser Kirche ein Beamer montiert ist, da sie eh spontan entscheiden, ob traditioneller oder modernern Gottesdienst am Sonntag dran ist. Wieder andere sagen, dass wichtig wäre, den Älteren ihre Form zu lassen. Wieder ander junge Leute sagen, dass sie keinen Bock auf diese Form des "Gemeindekrieges" haben und sie die Diskussion über Gottesdienstformen eh satt haben, da es ja Wichtigeres gibt für die Gemeinde Jesu (wie diese wohl von den einzelnen Gruppen definert wird). Andere sagen, dass der Gottesdienst für sie nicht geistliche Heimat sei, für andere ist er es wieder, wenn sie mal nach Dettingen heimkommen. Andere sind der Meinung, dass.... Meinung über Meinung.

Ich frage mich jetzt schon seit einiger Zeit: Warum ist das so? Und fühle mich zwischen den beiden letzten Welten hin und her springen.

Mir sind wieder ein paar Büchlein in die Hände gefällen, die es echt lohnt zu lesen:
• Dan Kimball: Emerging Church – Die postmoderne Kirche. Spiritualität und Gemeinde für neue Generationen (2005) - diesen Buch müsste meiner Meinung nach jeder Gemeindeverantwortliche gelesen haben (ich hab schon mal drüber geblogt)
• Fabian Vogt: Das 1x1 der Emerging Church (2006) - kurz und knackig für 4 €
• Tobias Faix: ZeitGeist. Kultur und Evangelium in der Postmoderne (2007)- Viele Facetten und verschiedene Blickwinkel (siehe auch hier im Blog)

Darin werden u.a. folgende Tabellen (siehe Fabian Vogt) zusammengestellt, die doch Einiges (wenn auch stark vereinfacht) erkläre, was im Wandel von Tradition zur Moderne und PostModerne bei uns gerade geschieht. Wenn du jetzt mal in Tabelle 1 schaust, dann kannst du für dich mal überlegen zu welcher Epochengruppe du dich zählst.

Wenn man jetzt weiter (siehe Tab. 2) fragt, wie die einzelnen Gruppen ihren Glauben leben, was ihnen wichtig ist und was "Heimat" bietet, dann kann man schon einige mögliche Gründe für unsere Diskussionen erkennen.

Abschliessend versucht dann Tabelle 3 daraus in groben Zügen verschiedene Gottesdienstmodelle und Formen den einzelnen Gruppen zuzuordnen.

Mein Fazit: Modern empfindende Menschen versuchen einen eher traditionell geprägten Gottesdienst mit neuen Formen, neuen modernen Liedern und Techniken (Stichwort Beamer) in die moderne Wahrnehmungswelt zu überführen. Dieses Bemühen wird von den noch jüngeren postmodern empfindenden Menschen nicht wahrgenommen und auch nicht wirklich wirklich unterstützt.

Übrigens: Ich habe mit dieser Zusammenfassung keine biblische Einordung getroffen (postmodernes Christsein kann es aus meiner Sicht nicht wirklich geben), sondern es sollte nur eine wertneutrale Nebeneinanderstellung verschiedener Wertesystem sein. Vielleicht ist es auch ein kleiner Beitrag zur Erklärung aktueller Diskussionen.

Samstag, 5. Januar 2008

How great is our God - Welch ein Freund ist unser Jesus

Mich gewegt seit einigen Wochen immer wieder die Frage, wie eine Gemeinde gemeinsam Gottesdienst feiern kann, die von ihren Stilrichtungen und Prägungen sehr unterschiedlich ist.
Wie passt die "Worship-Generation" und die 50plus-Generation zusammen?
Geht das überhaupt?

Dass zwei Generationen von Anbetungsmusik (oder wie die Alten sagen: "Jesuslieder") zusammen kommen können habe ich im folgenden Video entdeckt (Achtung bis zum Ende hören!)


"How great is our God" - Chris Tomlin von HillSongs United und dann
"Welch ein Freund ist unser Jesus" (What a friend we have in Jesus?) - Joseph Scriven (1819-1886, eine extreme Biographie) verbunden zum Lob Gottes...
... Das ist sicher ein Idealfall-Video, aber könnte das nicht eine Vision sein, für einen gemeinsamen Gottesdienst in unserer Gemeinde?

Samstag, 10. November 2007

Willow auf dem Weg zur Postmoderne?

Gerade ist der letzte Willow Creek Kongress in Wetzlar zu Ende gegangen.
Alle die dort waren berichten von einer sehr gesegneten und ermutigenden Veranstaltung.
Ich war leider nicht dort, aber ich freu mich mit den Geschwistern, dass sie ermutigt zurück kommmen und dass gerade auch die Frauen ganz neu für ihr Engagement in der Gemeinde ermutigt wurden.

Ich selber häng noch immer in meinen Überlegungen zum Stichwort "christliche Subkultur" herum. Ich hab ja neulich auch über meine Gedanken zum Worship berichtet.
Interessant finde ich, dass ich jetzt auf den Blog von Nancy Beach gestoßen. Auch sie macht sich ähnliche Gedanken zum Thema Worship als Subkultur. Sie schreibt über die Zukunft des Worship:

"... she (Sally Morgenthaler) believes the worship subculture is in a major decline, and that we need to have the guts to start over and re-invent together what our gatherings should be going forward. I share her concerns that much of the Christian worship music all sounds alike, and is easily distinguishable from where secular music has gone. I also believe that our gatherings have become far too predictable, dependent almost exclusively on music and teaching while abandoning many other art forms and communication tools. A worship subculture exists, and in most of our churches, we cannot point to huge gains in reaching those outside the church with our weekly worship gatherings. So what does all this mean?"
Dass ihr mich richtig versteht. Ich geniesse die Art von Lobpreismusik, wie sie Willow praktiziert, aber ich finde es wichtig, dass wir dabei den Blick nicht ausschliesslich auf uns selbst und unsere Befindlichkeit richten, sondern auch hier darauf achten, dass wir "in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt" unser Christsein leben.

Ich finde es klasse, dass Nancy (und Willow) den Mut hat, auch über ihre momentan gelebte Kultur nachzudenken. Manchmal meine ich zu erkennen, dass die Zeichen der Postmoderne bei Willow erkannt wurden und sie unter ihrem neuen Leiter Gene Appel sich auch auf machen zu einer Gemeinde, die auch nichtmodern empfindende Menschen erreichen will.

So schreibt Gene Appel in der WillowNews vom Juni 2007:

"Ohne Veränderung sterben unsere Gemeinden. Wir haben darum gar keine Wahl, wenn es um Veränderung geht! Wenn wir als Gemeinde Jesu bestehen wollen, dann müssen wir uns verändern - immer wieder! Dabei ist es nicht die Botschaft, die sich verändert! Das Evangelium ist ewig! Gottes gute Botschaft verändert sich nicht. Was sich ändert, sind die Formen, in denen wir das Evangelium zu den Menschen tragen. Die Strukturen, in denen Gemeindeleben geschieht. All das ist zeitlich und muss immer wieder angepaßt werden, um die Menschen zu jeder Zeit zu erreichen.
Wer Veränderungsprozesses anstößt, muss aber deutlich erklären, warum die Veränderung nötig ist! Häufig machen wir den Fehler, dass wir 10 Prozent unserer Kraft dafür aufwenden, das Problem zu benennen und 90 Prozent, um die Lösung zu erklären. Wenn aber die Menschen das Problem noch gar nicht verstanden haben, werden sie sich der Lösung verschließen und die Veränderung blockieren. Wer dauerhaft Veränderung gestalten will, muss dafür Sorge tragen, dass die Menschen die Notwendigkeit der Veränderung wirklich verstanden haben!"

Wenn ich hier Appel richtig verstehe, dann bereitet er Willow gerade auf eine Veränderung der Formen vor. Wie wird hier wohl der Worship ausschauen? Was wird im Zentrum stehen? Ist zukünftig noch der "Gottesdienst für Suchende" im Mittelpunkt?

Fragen über Fragen.
Die nicht weniger werden, wenn ich auf Revael stoße. Dies ist eine Zusammenfassung von Ergebnissen einer Studie zur Effektivität von Willow im Bereich Jüngerschaft, also geistlicher Reife und Wachstum. Darin erforschten sie die Effektivität der verschiedenen Programme bei Nichtchristen und Christen verschiedener Reifegrade. Die Ergebnisse könnt ihr unter Reveal und in einem Buch nachlesen. Bill Hybels kommenentierte die Ergebnisse in einem Video mit "“We’ve made a mistake!”
Hybels stellt darin fest, dass Willow scheinbar super darin ist, dass "entkirchlichte Menschen" errecht werden, aber recht uneffizent darin, dass Menschen zu "total hingegebenen Nachfolgern Jesu Christi" werden.

Für mich stellt sich die Situation bei Willow gerade so dar (ich würde gern mal mit Bill darüber diskutieren), dass der Fokus auf "Seeker Service" sehr stark ergänzt werden muss um einen Fokus auf geistliches Wachstum, dass nicht "vorgekaut" wird von der Gemeinde... "To become Self-feeder" im Bereich persönliches geistliches Wachstum. Christen müssen lernen selbst sich um die geistliche Nahrungszufuhr zu kümmern, anstatt nur zu konsumieren.

Was hat das mit Postmoderne zu tun?

Ich glaube, dass wir als deutsche Gemeinden, die so langsam die Ziele von Willow Creek kapiert haben, gut beraten sind, die Suche der Menschen nach Spiritualität nicht ausschliesslich mit "wohlgeformten" Gottesdiensten mit tollem Lobpreis zu begegnen. Wir müssen darüber hinaus unsere lutherische Tradition wieder entdecken und soli scriptura und solus Christus unserer Gemeinde stellen. Die Generationen der Postmoderne, wollen nicht nur perfekte Gottesdienste, sondern sie sind fasziniert vom Geheimnis der göttlichen Offenbarung in der Heiligen Schrift. Die Menschen des 21. Jahrhunderst brauchen neben wohlgeformten programm-orientierten Gottesdiensten wieder Räume in denen sie ganzheitlich Gott begegnen können.
Ich stimme mit Willow nicht (mehr) überein, dass es darum geht ein neues "Jüngerschaftprogramm" (Reveal) aufzulegen, sondern dass es wichtig ist, dass wir Menschen dazu befähigen, dass "Christus in Ihnen" (siehe besondes Ian Thomas) zur Entfaltung gelangt.




Sonntag, 4. November 2007

Kulturen - wo gehöre ich hin?

Lobpreisnacht - meine Erste (Subkultur 1)

...und ich bin gerne hin gegangen, obwohl ich sack müde war (von der Montage des Haller-Systems). Und ich muss sagen, dass es mir echt gut getan hat. Viele bekannte Lieder zusammen mit vielen anderen Gleichgesinnten... Gott wirklich erleben!

Gott wirklich erleben?
Im ersten Teil ging es mir wie Toby: Es ist mir heute einfach bei vielen Texten viel zu schwer gefallen aus richtig tiefer innerer Überzeugung zu singen. Bei vielen Lieder fühlte ich mich viel zu weit weg von Gott, dass ich das jetzt so sagen konnte/könnte/durfte...

Ein zweiter ruhiger Teil schloss sich an: Hier wurde durch die einzelnen Lieder und Gebete zum Ausdruck gebracht, was Gott für mich getan hat, welche tiefe Liebe er für mich als Sünder empfindet und was für ein Fels der Hoffnung und der Zuversicht er für meinen chaotischen Alltag ist. Das hat mich angesprochen... Da wurde ich von Gott neu berührt....

Was ich hier gebraucht hätte, wären Momente der Stille (auch soundtechnisch), Möglichkeiten des persönlichen Gebets, vielleicht ein paar Kerzen, das Angebot einer Segnung,... (auf jeden Fall etwas das mich neben dem Singen auf einem anderen Kanal angesprochen hätte)

Der Abend ging rockig und fetzig seinem Ende entgegen: "Dancing generation" haben dann Alle mit gesungen (oder besser gegröhlt?)... Mit einem ruhigen Segenslied wurden wir in die "Wirklichkeit" entlassen.....

McDonald (Subkultur 2)
Weil es wohl so "Tradition" ist, und weil wir Hunger hatten sind wir noch in den "Mäc" gefahren. Was waren wir erstaunt über die vieeeeeeeeeeellllllllllllll Leute dort (nachts um 23:45 Uhr). Die waren viel jünger als dort beim Worship, die hatten ganz andere Klamotten (das knappe T-Shirt eines Mädchen trug vorne z.B. die Aufschrift "take that - never forget") an und die hatten ganz andere Themen und Ziele. ABER ich glaube die hatten ein gleiches Anliegen: Sie wollten wie wir einen geilen Abend verbringen. Abdancen, Auftanken, Spass haben und was erleben....

Mich bewegt auf der ganzen Fahrt dieser Subkultur-Gedanke: Sind wir "Frommen" nicht oft in unserer heilen Welt, die wir sicher manchmal brauen um Aufzutanken, gefangen?
Ist es nicht genauso komisch ca. 60 min zu einem Worship zu fahren, als dass man um 23:45 Uhr sich noch beim "Mäc" was reinzieht, um wieder fit für die Piste zu sein?

Fragen über Fragen, aber dunkel erinnere ich mich an das Zeitgeist Buch, dass da das Thema "Subkultur" auch behandelt wird. Ich such es bei Gelegenheit raus! (wollte eh noch darüber bloggen)

P.S: Liebe Freunde vom weissen Sharan:
Ich fahr mit euch gerne mal wieder zur Lobpreisnacht. Es war echt toll, auch wenn ich gerade nachdenklich bin.

Mittwoch, 22. August 2007

Eine Woche Mattis!

Eine Woche und ein Tag ist nun schon Mattis bei uns.
Wir sind immer total überwältigt über dieses mega Geschenk Gottes.

Wir können darüber, wie gut es Gott mit uns als Familie meint nur staunen und IHM die Ehre geben. How great is our God!