Wie soll Ihrer Meinung nach der Gottesdienst aussehen, damit die junge und mittlere Generation diesen Gottesdienst als ihren Gottesdienst / ihre geistliche Heimat erleben kann?
Beim längeren Nachdenken bin ich auf ein paar grundsätzliche soziologische Gedanken gestoßen: Früher war es so, dass alle, die in einem Pfarrbezirk waren zu einem Gottesdienst-Ort gehörten und dann auch dort (falls sie kirchlich waren) zum Sonntagsgottesdienst gegangen sind.
Daß das heute nicht mehr so ist hat wahrscheinlich jeder schon bemerkt. Die Leute ticken unterschiedlich. Diese Unterschiede will die Sinusstudie erklären. Bildquelle: (www.sinus-sociovision.de)

Die einzelnen "Kartoffeln" stellen nun eine Lebenswelt über alle Generationen der Bundesrepublik hinweg dar. Diese Betrachtung könnte man jetzt natürlich auch mal auf eine lokale Gemeinde machen. Was man dabei entdeckt kann man hier nachlesen.
Im Blick auf den Gottesdienst ist davon auszugehen, dass jede Gruppe bestimmte Wünsche und Forderungen an den Gottesdienst hat. Und dass die Kirche mit einem klassischer Gottesdienst die Gruppen "Traditionsverwurzelte", "Konservative" und "Etablierte" und noch Teile der "Bürgerlichen Mitte" erreicht. Weitere Infos und Definition der Gruppen bei gibt es bei Wikipedia.
Wenn man nun diese Betrachtungsweise auf die "Junge und mittlere Generation" anwendet, wie dies in der Sinus Jugendstudie U27 geschehen ist, dann ergibt sich nachfolgende Verteilung (Quelle).
Die Zahlen sind eindeutig: Wenn man davon ausgeht, dass eine bisherige Ausrichtung ca. 44% der Bevölkerung theoretisch erreicht hat, dann ist dieser Prozentsatz noch auf 18% zusammen geschrumpft, die von kirchlicher Arbeit erreicht wird.Als Weiteres ist es sehr spannend zu sehen, dass die "Kartoffeln" früher sehr eng beieinander gelegen sind, die Lebenswelten sich also noch berührten oder gar überlappten. Bei der heutigen Generation ist aber hier ein starker "Rechtsdrift" zu erkennen ist. D.h. dass die Mehrheit der Gesellschaft sich von der traditionellen kirchlichen Angeboten entfernt. Daraus folgt, dass moderne Jugend- und Gemeindearbeit sich neu fokusieren muss. Die Gottesdienstgestaltung ist hier nur eine Frage.
Wenn man von "Wie muss ein Gottesdienst aussehen....?" spricht, dann ist das automatisch eine Kultur- und Lebensweltfrage. Kennen wir die Fragen und Bedürfnisse der Menschen, die wir zum Gottesdienst einladen wollen, der von seiner Herkunft stark geprägt ist von der Tradition?Wenn ein Gottesdienst "geistliche Heimat geben will", dann muss man fragen, wie die einzelnen Gruppen "Heimat" definieren. Die Soziologen sagen, dass es eine "Beheimatung innerhalb des Milieus" gibt. Was bedeutet dies für Gottesdienste? Können diese milieuübergreifend sein? Was bedeutet dies für die Definition von Gemeinde? Kann man Gemeinde an einem gemeinsamen Gottesdienstbesuch festmachen? Wie sieht eine Gemeinde aus, die aus verschiedenen Milieus besteht?
Fragen über Fragen! Und zu guter Letzt: Was ist mit den Milieus, die bisher von der kirchlichen Gemeinde- und Jugendarbeit überhaupt nicht erreicht werden? Ist uns das egal?
Übrigens führt Tobias Faix, ein Experte in Sachen Jugendkultur und Postmoderne (hat auch was zu Sinus geschrieben), gerade eine Umfrage zum Stichwort: Beheimatung von jungen Erwachsenen durch. Macht doch einfach mit.
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